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KATZENLAUTE:
EINEN ÜBERBLICK DER GEWÖHNLICHSTEN KATZENVOKALISIERUNGEN

von Susanne Schötz

In diesem Unterprojekt versuche ich die vielen unterschieldlichen Katzenlaute in deutlichen Kategorien einzuordnen. Da ich fast jeden Tag mehr über den verschiedenen Katzenlauten lerne, ist das Projekt ist immer noch in Arbeit, und diese Website wird regelmäßig aufgerüstet und erweitert.
(Die Kategorien beziehen sich auf der Arbeit von Moelk, 1944, McKinley 1982, sowie meine eigenen Aufzeichnungen und phonetischen Analysen.)

Laute, die mit geschlossenem Maul hergestellt werden

  1. Schnurren: sehr tiefer, anhaltender, verhältnismäßig leiser, ziemlich gleichförmiger, summender Laut, den die Katze produziert, während sie kontinuierlich abwechselnd ein- und ausatmet. Sie schnurrt, wenn sie zufrieden ist, Hunger hat, gestresst ist, Angst hat, Schmerzen hat, Junge kriegt oder stirbt. Wahrscheinlich bedeutet Schnurren eher „Ich bin keine Bedrohung“ als „Ich bin zufrieden“. Katzenmütter und ihre Jungen schnurren oft, weil es ein leises Geräusch ist, das für andere Raubtiere schwer wahrzunehmen ist. Auch viele wilde Großkatzen schnurren, eine der berühmtesten ist vielleicht der Gepard Caine. Viele Katzen können gleichzeitig schnurren und gurren oder miauen.
  2. Gurren (Trillern, Murren, Grunzen, Brummen): ziemlich kurzer und oft weich auf der Zunge gerollter Laut: [mhrː], [mːrːut] oder [brːh]. Wird bei freundlicher Annäherung und Begrüßung benutzt, und auch beim Spielen. Es gibt tiefes Grunzen und Brummen und auch höheres Trillern. Nicht selten geht ein Gurren in Miauen über: „Brrriu", ”Brrmiau" oder "Mrrriau"; [mhriauw], [briuw] oder [brːiau]. Auch Schnurren und Gurren können zusammen vorkommen.

Laute, die mit öffnendem-schließendem Maul hergestellt werden

  1. Miauen (Maunzen): der gewöhnlichste Laut gegenüber uns Menschen, hat viele Bedeutungen und phonetischen Unterkategorien
    a. Fiepen (Piepsen): sehr helles / hohes Miauen, oft mit den Vokalen [i], [ɪ], und [e], manchmal gefolgt von einem [u]. Junge Katzen, wenn sie die Aufmerksamkeit oder Hilfe ihrer Mutter möchten, erwachsene Katzen, wenn sie Unterwürfigkeit signalisieren wollen oder die Hilfe ihres Menschen brauchen. Klingt oft wie [mi], [wi] oder [miu].
    b. Quieken (Quieksen): kratziger, nasaler, heller (schriller) und oft kurzer Laut, oft mit den Vokalen [ɛ] oder [æ]. Endet oft mit offenem Maul: [wæ], [mɛ] oder [ɛu].
    c. Jammern (Gejammer, Stöhnen, Klagen, Angstheulen, Mau(n)zen): klagendes oder traurig klingendes Miauen, oft mit den Vokalen [o] oder [u]. Wird oft von ängstlichen oder nach etwas verlangenden Katzen benutzt. Klingt oft wie [mou] oder [wuau].
    d. Miauen (Mau(n)zen): typischer Miau-Laut, Kombination von mehreren Vokalen, die die charakteristische Sequenz [iau] ergeben. Wird häufig gegenüber Menschen gebraucht, um deren Aufmerksamkeit einzufordern. Klingt oft wie [miau], [ɛau] oder [wau].
  2. Gurr-Miauen (Trillern-miauen): Kombination aus einem Gurren und einem Miau-Laut. Oft mit steigendem Ton: [mrhiau] oder [whrrrau].
  3. Heulen (Jaulen, Jammern, Stöhnen, Jodeln): ausgedehnter vokalischer Laut aus Kombinationen von Vokalen und Halbvokalen wie [ɪ], [ɨ], [j] oder [ɤ], Diphthongen wie [au], [ɛɔ], [aw], [oɪ] oder [ɑo]: [awoɪːɛɔː], [jiɨɛɑw] oder [ɪɪɪɪɪauauauauauawawaw] mit steigender und fallender Melodie. Warnsignal während einer bedrohlichen Situation, oft gemischt mit Knurren und Grollen in langen Sequenzen. Oft heulen zwei Katzen im Chor.
  4. Katzengesang (Geheul, Heulen): lange, klagende Sequenzen mit Miau-, Gurr-Miau- und / oder Heul-Lauten, die mit öffnendem-schließendem Maul hervorgebracht werden. Der Laut ähnelt menschlichem Kinderweinen. Der typische Laut der Liebessehnsucht. 

3. Laute, die mit gespanntem, offenem Maul hergestellt werden

Werden oft mit offensiver oder defensiver Aggression assoziiert, aber auch mit Lauten, die gegenüber Beutetieren geäußert werden.

  1. Knurren (Grollen): rauer, sehr tiefer, ausgedehnter, stimmhafter Vibrant: klingt oft wie [ɡʀː], oder wie ein vokalisches [ʀː] oder wie ein trillerndes [ɹ̰ː] oder [ʌː]. Dieser Laut wird während langsamer und stabiler Ausatmung produziert, um Gefahr zu signalisieren oder um einen Gegner zu warnen oder abzuschrecken. Knurren wird oft mit Heulen und Fauchen kombiniert.
  2. Fauchen und Spucken (eine mehr intensive Variation des Fauchens): Warn- und Abschreckungslaute, mit hochgezogener Oberlippe, und sichtbaren Zähnen, und mit zum Gaumen gewölbter Zunge durch einen heftigen Luftstoß abgegeben: „Schsch“ oder „Fffhhh“ bedeutet „Jetzt reicht es aber“. Spucken ist mehr explosiv, oft mit einem kleinen Stoß im Anlaut, klingt wie [k] oder [t].
  3. Kreischen (Schreien, Wutausruf, Abwehr/Schmerz-Kreischen, Schmerzschreien): kurze, heller, lautstarke und oft raue oder heisere Vokallaute [a], [æ], [aʊ] oder [ɛo], kommt häufig vor bei einem Streit zwischen Katzen, als allerletzte Warnung. Aber auch gequälte oder verletzte Katzen kreischen, wenn sie Schmerzen erleiden.
  4. Schnattern und Zwitschern: Laute, die manchmal gegenüber Beutetieren (Vögel, Nagetiere, Insekten) verwendet werden. Die Katze versucht, den Laut der Beute zu imitieren, zum Beispiel, wenn ein Vogel oder ein Insekt die Aufmerksamkeit der Katze erregt:
    a. Schnattern (Keckern, Schmatzen, Zähneklappern): Stimmlose, sehr schnelle, stotternde oder klickende Sequenzen von Lauten mit klapperndem Kiefer und Zähneklappern, wobei knisternde k-Konsonanten entstehen: [k̟= k̟= k̟= k̟= k̟= k̟=] oder [k k k k k k].
    b. Zwitschern (Meckern, Gezwitscher, Tschilpen, Zirpen): Stimmhafte, kurze Laute, ungefähr wie „Eh“, „Ähh“ oder „Meck“, hören sich fast wie Vogelgezwitscher, Nagetierpiepsen oder das hohe Klingeln eines Telefons an, der Ton steigt oft am Ende des Lautes an [ʔə] und wird meist in Sequenzen wiederholt [ʔɛʔɛʔɛ...]. Es kommen auch weichere Varianten von Zwitschern vor, wie ein leises Piepsen mit variierender Vokalqualität, zum Beispiel [wi] oder [ɦɛu], und Varianten mit längerem, ausgedehntem Zwitschern, das sich wie eine Art Fiedeln anhören kann, oft mit irgendwelchen Stimmmodulationen wie Tremolo oder Zittern, in Lautschrift wäre das etwa so: [ʔəɛəɰə].


KATZENLAUTBESCHREIBUNGEN IN ANDEREN SPRACHEN